Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen auf dem Balkan
Der Balkan ist das archäologisch reichste und gleichzeitig am wenigsten bekannte Kapitel der europäischen Altertumskunde. Hier kreuzen sich die Ausbreitungswege des Neolithikums aus Anatolien, die Siedlungsgebiete der Illyrer, Thraker und Makedonen, die Grenzlinie des Römischen Imperiums entlang von Donau und Save, und die Nachfolgestaaten des Ostreichs bis ins 15. Jahrhundert. Auf engem Raum finden sich Reste paläolithischer Kulturen, bronzezeitlicher Stadtstaaten, griechischer Kolonien, römischer Provinzstädte und byzantinischer Basiliken. Wer die antike Geschichte Europas wirklich verstehen will, kommt um den Balkan nicht herum.
1. Butrint, Albanien
Butrint an der Adriaküste Albaniens ist eine der vollständigsten Stadtschichtungen des antiken Mittelmeers: griechische Kolonie, dann hellenistische Stadt, dann römische Kolonie Buthrotum, dann byzantinischer Bischofssitz, dann venezianisches Kastell. Die Stätte im gleichnamigen Nationalpark vereint auf kleinstem Raum ein dorisches Theater des 4./3. Jahrhunderts v. Chr., ein Forum, ein Baptisterium mit einem der schönsten Mosaikböden Albaniens, Thermen und die venezianische Löwenbastion. Seit 1992 UNESCO-Welterbe, ist Butrint von Saranda aus leicht erreichbar.
2. Gamzigrad – Felix Romuliana, Serbien
Der Palastkomplex Felix Romuliana nahe Zaječar in Ostserbien wurde um 298–305 n. Chr. von Kaiser Galerius als kaiserliche Residenz und Mausoleum errichtet. Innerhalb der vieleckigen Mauer mit zwanzig Türmen liegen Prunkgebäude, zwei frühchristliche Kirchen und Mosaikböden von hoher Qualität; auf einem nahen Hügel befinden sich die Mausoleen des Kaisers und seiner Mutter. Das Ensemble ist seit 2007 UNESCO-Welterbe und das am vollständigsten erhaltene spätrömische Herrschaftszentrum der Balkanhalbinsel. Das Museum in Zaječar zeigt die bedeutendsten Funde.
3. Stobi, Nordmazedonien
Stobi im Vardar-Tal, am Zusammenfluss von Vardar und Crna Reka, war eine der bedeutendsten Städte Makedoniens und später der römischen Provinz Macedonia Prima. Gegründet im 3. Jahrhundert v. Chr., blühte es als Handelsknotenpunkt und erhielt unter den Flavier-Kaisern das Recht der Münzprägung. Freigelegt sind das Theater, ein Nymphäum, Bischofskomplex mit Mosaikböden, Thermen und ausgedehnte Wohnhäuser. Besonders bedeutend ist die Synagoge des 3. Jahrhunderts mit gut erhaltenem Mosaikfußboden. Stobi liegt an der Autobahn E75 zwischen Skopje und Thessaloniki und ist täglich zugänglich.
4. Heraclea Lyncestis, Nordmazedonien
Heraclea Lyncestis bei Bitola wurde nach der makedonischen Expansion unter Philipp II. im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und war später Bischofssitz der Provinz Macedonia Prima. Die Ausgrabungen fördern ein Theater, Portiken, Thermen und ein Bischofsensemble mit zwei Basiliken zutage, deren Mosaikböden zu den schönsten auf dem Balkan zählen — ein großformatiger Tierkreismosaik und florale Muster von außergewöhnlicher Feinheit. Die Stätte liegt am Stadtrand von Bitola und ist täglich kostenlos zugänglich; das Museum im Ort zeigt weitere Funde.
5. Diokletians Palast, Split, Kroatien
Der Palast des Kaisers Diokletian in Split, erbaut zwischen etwa 295 und 305 n. Chr. als kaiserliche Residenz für den Ruhestand, ist eines der am besten erhaltenen antiken Gebäude der Welt — und gleichzeitig eine lebendige Stadt, deren historischer Kern seit 1979 UNESCO-Welterbe ist. Rund 3000 Menschen leben heute innerhalb der antiken Mauern zwischen Resten des Mausoleums (heute die Kathedrale), des Juppitertempels, der Columnata und der vier Tortürme. Die Keller des Palastes sind weitgehend erhalten und bilden eine direkte Negativabformung der Räume des Erdgeschosses.
6. Sarmizegetusa Regia, Rumänien
In den Orăștie-Bergen im heutigen Rumänien liegt Sarmizegetusa Regia, die wichtigste Kultstadt und Hauptfestung der Dakerkönige vor der römischen Conquista. König Decebalus machte sie zum Zentrum des dakischen Widerstands gegen Trajan; nach dem zweiten Dakerkrieg (106 n. Chr.) wurde die Stadt zerstört und eine neue römische Kolonie Sarmizegetusa Ulpia Traiana in der Ebene gegründet. Erhalten sind der Heilige Bezirk mit Andesite-Tempeln und Sonnenscheiben, Teile der Zyklopen-Stadtmauer und Werkstattbereiche. Die Stätte liegt in einem Bergwald und erfordert eine Wanderung; der Besuch lohnt sich besonders im Frühsommer.
7. Apollonia, Albanien
Apollonia auf einem Hügel bei Fier wurde im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. als dorische Kolonie gegründet und zählte im Altertum zu den bedeutendsten Städten der Adriaküste. Cicero lobte sie als 'groß und bedeutend'; Octavian (der spätere Kaiser Augustus) studierte hier. Freigelegt sind das Bouleuterion, ein Odeon, Tempel der Artemis und Apollon, Portiken und eine frühchristliche Basilika. Das Museum auf dem Gelände des ehemaligen Klosters zeigt Skulpturen und Inschriften. Apollonia ist mit dem Auto von Fier in zwanzig Minuten erreichbar.
8. Ulpiana, Kosovo
Das römische Ulpiana südöstlich von Pristina war die Hauptstadt der Provinz Dardania und erhielt unter Kaiser Hadrian den Status einer Municipium Ulpianum. Ausgrabungen haben ein Forum, Thermen, mehrere Kultbauten und eine frühchristliche Kathedrale freigelegt. Die Stätte liegt im Dorf Graçanicë/Gračanica, unmittelbar neben dem gleichnamigen serbisch-orthodoxen Kloster des 14. Jahrhunderts — einem der schönsten byzantinischen Sakralbauten der Region. Obwohl Ausgrabungen laufen, ist der Komplex begrenzt öffentlich zugänglich.
9. Plovdiv (Philippopolis), Bulgarien
Das antike Philippopolis, heute Plovdiv, wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. von Philipp II. von Makedonien auf den sieben Hügeln des Maritsa-Ufers gegründet und war später Hauptstadt der Provinz Thracia. Das Theater, mit Blick auf die moderne Stadt eingebettet in einen Hang des historischen Zentrums, fasste rund 6000 Zuschauer und ist eines der best erhaltenen Odeen des östlichen Balkans. Im Stadeum, den Thermen und den Resten der Stadtmauer liest sich zwei Jahrtausende Geschichte. Das Archäologische Museum Plovdiv gehört zu den wichtigsten Bulgariens.
10. Caričin Grad (Iustiniana Prima), Serbien
Diese byzantinische Stadt in den Hügeln Südostserbiens wurde um 535 n. Chr. von Kaiser Justinian I. — möglicherweise an seinem Geburtsort — als Erzbischofssitz und Regionalzentrum neu gegründet. Drei Befestigungsringe umschließen eine Akropolis mit Kathedrale, Bischofspalast und Thermen sowie eine Unterstadt mit Basiliken und gepflasterten Straßen. Aufgegeben im frühen 7. Jahrhundert und nie wieder besiedelt, bietet Caričin Grad den seltenen Blick auf einen 'eingefrorenen' byzantinischen Stadtgrundriss. Serbisch-französische Teams arbeiten seit Jahrzehnten hier; der Zugang ist frei.
Der Balkan ist für Reisende aus Westeuropa deutlich besser zugänglich als sein Ruf vermuten lässt. Athen, Split, Belgrad, Skopje und Sofia haben internationale Flughäfen; Mietwagen erschließen die abgelegeneren Stätten. Die beste Reisezeit ist Mai bis Oktober. Viele der hier genannten Stätten sind kostenlos oder günstig zugänglich. Karte öffnen, um alle archäologischen Fundorte des Balkans auf einen Blick zu sehen.